Gamification – ein alter Zopf

Durch die neuen Medien sind viele neue Begriffe entstanden. Einer davon ist Gamification.

Auf die Schule bezogen verstehe ich den Begriff in erster Linie so, dass Lerninhalte spielerisch gelernt werden. Es steht also nicht primär ein eigentliches Computerspiel im Vordergrund sondern die Spielmechanik an sich.

Einer der wichtigsten dieser Spieleigenschaften ist für mich, die an den jeweils Spielenden angepasste Schwierigkeit. Gamedesigner sprechen hier von „Flow“. Herausforderungen und die Fähigkeiten des Spielers, diese zu meistern, stehen in einer gewissen Balance. Ist es für einen Spieler zu einfach, die Aufgaben zu lösen, wird es langweilig und er hört auf zu spielen. Das gleiche passiert, wenn die Aufgabe zu schwierig ist. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Belohnung für die jeweiligen Fortschritte.

Beide dieser Spielmechaniken sind auch wichtige Bestandteile beim Lernen. Es darf nicht zu einfach und nicht zu schwierig sein, Fortschritte werden belohnt. Nehmen wir ein Kind, das gehen lernt. Bevor diese „Lerneinheit“ vom Kind in Angriff genommen wird, wird es zuerst lernen, den Kopf zu halten, die Hände zu steuern, sich irgendwie kriechend oder robbend auf dem Boden fortzubewegen. Das Kind stellt sich selber immer wieder neuen machbaren Herausforderungen und belohnt sich selbst mit der neu gewonnenen Mobilität und deren Möglichkeiten, neue Sachen zu sehen oder zu erreichen.

Wenn ich nun ins Schulzimmer blicke, kann ich sagen, dass der Gedanke, Lerninhalte spielerisch zu vermitteln nichts Neues ist. Das ganze handelnde Lernen, die kooperativen Lernformen bedienen sich teilweise dieser Spielprinzipien und haben sich schon lange im Schulalltag niedergelassen. Figuren, die durch eine Geschichte und durch Lerninhalte führen oder die Sticker und Stempel, die vor allem auf der Unterstufe als Belohnung verwendet werden, kenne ich selbst aus meiner Primarschulzeit. Auch erinnere ich mich, dass ich selbst Gruppenturniere hatte (auch wenn sie noch nicht so bezeichnet wurden). Somit ebenfalls nicht unter diesem Namen, aber dennoch schon länger existent im Schulzimmer ist Gamification. Durch die Funktionsweisen der Videospiele und die technischen Begebenheiten im Schulzimmer sind mittlerweile einfach mehr Möglichkeiten vorhanden.

Aus der Praxis weiss ich, spielorientierte Unterrichtseinheiten funktionieren. Bei den jüngeren Kindern, weil diese z.T. noch nicht merken, dass sie gleichzeitig am Lernen sind, bei den älteren, weil sie für sie schlicht die attraktiveren Alternativen zum herkömmlichen Büffeln darstellen.

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