Experiment Newsverzicht: Journal

Nach der Lektüre des Artikels von Rolf Dobelli „Vergessen Sie die News! – Für eine gesunde Nachrichtendiät“ habe ich mich entschlossen, ganz im Sinne der Fastenzeit, mich bis Oster einer News-Diät zu unterziehen. Das Wort „Diät“ impliziert ja, dass nicht vollkommen auf alles verzichtet wird oder wie Dobelli sagt: „News sind für den Geist, was Zucker für den Körper ist“.  Und der Körper kann ohne Zucker auch nicht überleben; judihui ich habe schon eine Entschuldigung für meine „Sünden“ 🙂 . Ich habe mir zuerst überlegt, die Rahmenbedingungen im Vorneherein genau abzustecken. Was darf ich konsumieren und was nicht? Wo sind die Grenzen? Dies scheint mir aber unmöglich, zumal auch Dobelli nicht abschliessend definiert, welches nun „gesunde“ Informationsquellen sind. Er redet von „Artikel, Bücher und Buchzusammenfassungen, welche nicht davor zurückschrecken, die Komplexität der Welt darzustellen“. In seinen Augen mögen die genannten Beispiele (u. A. „Science“, „Nature“, „The New Yorker“) diese Kriterien erfüllen. Doch dies ist seine subjektive Meinung. Leider Gottes gibt es kein wissenschaftliches Instrument, welches den Inhalt einer Berichterstattung objektiv auf die von Dobelli popagierten Kriterien prüft. Ich werde aber die Messlatte zu Beginn bewusst sehr hoch legen und dann schauen, wo ich meinem Drang nach News nachgeben muss, soll, darf, respektive kann 🙂

Tag 1 Donnerstag, 9. März

15.00 Uhr:

Als erste Handlung im Rahmen meiner „News-Diät“ habe ich – adäquat zu den Empfehlungen Dobellis die „20 Minuten“ – App auf meinem Smartphone gelöscht. Schon gefühlte hundert Mal habe ich mich in Vergangenheit dabei ertappt, wie ich News konsumiert habe, welche mich eigentlich überhaupt nicht interessieren und kein Mehrwert für mein Leben haben. Was interessieren mich eigentlich Kanye West’s neuste Eskapaden oder wie breit der Hintern seiner Frau inzwischen ist?  Trotzdem wird mir der Konsum bestimmt bald fehlen, war es doch der ideale Zeitvertreib während der Zugfahrt oder beim Warten auf einen Termin…

Bereits bei der Facebook-App zögere ich. Ich nutze diese Plattform in erster Linie für die Kommunikation mit meinen Freunden im in und Ausland. Obwohl darauf natürlich auch News transportiert werden, nutze ich dieses kaum dafür. Hier tauchen die ersten Schwierigkeiten auf…ein Medium, welches verschiedene Funktionen hat und damit verschiedene meiner Bedürfnisse befriedigt, auf das kann ich nur schwer verzichten. Ausserdem, wie will ich den Link mit euch teilen, wenn ich ihn nicht auf Facebook teilen kann? Ok, ich will mich ja nicht selber anlügen: ich könnte ihn euch per Mail schicken, euch bei der morgigen Vorlesung mündlich darauf hinweisen oder mich darauf verlassen, dass ihr regelmässig hier reinschaut. Mein Kompromiss: Ich lösche die App, da ich unterwegs sowieso nichts konstruktives mit Facebook mache und mir dann die App vor allem zur Unterhaltung dient. Den dazugehörigen Messenger lasse ich aber installiert, damit ich mit meinen Freunden kontrollieren kann. Auch den Link zu diesem Blog werde ich auf FB posten und mich zügeln, nur, aber auch nur dies zu tun.

Während ich durch unsere Wohnung laufe verstaue ich alle Zeitungen und Zeitschriften, welche ich sehe. Wegwerfen? Nein, meine Mitbewohnerinnen hätten wohl nicht so Freude daran 😉

Die Startseite meines Browsers habe ich auch geändert. Sie lautet nun nicht mehr MSN.com sondern www.ig-familienplaetze.ch , die Homepage meines Arbeitgebers.

15.30 Uhr:

Ich gehe Einkaufen. Obwohl es stark regnet, werde ich nicht den Bus nehmen. Wenigstens heute noch, will ich die Newsflut auf den Flatscreens umgehen.

16.30 Uhr:

Habe mich trotzdem entschieden, den Bus zu nehmen. Automatisch richtet sich der Blick auf den Flatscreen. Ich versuche mich aber auf die Leute im Bus und die Umgebung zu fokussieren, was mir ziemlich gut gelingt.

17.30 Uhr:

Mein Mitbewohner kommt nach Hause. Ich erzähle ihm von meinem Selbstversuch. Er findet die Idee cool, meint er hätte dies wohl auch nötig. Wir tauschen uns darüber aus, wie viel Zeit wir mit dem Konsumieren von nicht relevanten News verbringen. Er meint, ihm würde ein solche Newsdiät auch gut tun.

18.00 Uhr:

Ich mache mich auf den Weg nach Sempach ins Fussballtraining. Das sind ca. 15 Minuten Zugfahren. Ich erkenne mich in den vielen Pendlern wieder, welche sich Fast-News a la Riniger reinziehen. Die Zugfahrt verbringe ich damit, mich mit Freunden auf WhatsApp zu unterhalten. Dazu höre ich Musik

21.00 Uhr:

Nach dem Training gehen wir ins nahegelegene Pub, um Fussball Europaleague live zu schauen. Eine weitere These von Dobelli bewahrheitet sich. Ich erfahre durch mein Umfeld was in der Welt so abgeht. So weiss ich, ohne aktive Newsmedien konsumiert zu haben, dass der 19-Jährige, welche in Deutschland einen 9-Jährigen erstochen hatte mittlerweile gefasst wurde. Ausserdem erzählt mir ein Kollege von einer Axtattacke in – ich bin mir nicht mehr sicher – Holland. Mehrere Menschen wurden verletzt.

22.30 Uhr

Die Zugfahrt nach Hause verbringe ich wiederum mit chatten. Zuhause angekommen esse ich noch eine Kleinigkeit und update diesen Blog. Fazit nach gut 8 Stunden Newsentzug: Es klappt bisher sehr gut. Jedoch war ich auch nur wenige Zeit alleine und die grösste Zeit in Interaktion mit meinem Umfeld und bin somit kaum in Versuchung geraten, News zu konsumieren. Die echten Herausforderungen werden bald kommen. So etwa in Form der über zweitstündigen Anfahrt morgen nach Rorschach. Vielleicht kann ich ja ein bisschen schlafen oder Musik hören, oder ein Buch lesen… Mal schauen. Nun lege ich mich schalfen, natürlich ohne das routinemässige abchecken meiner News App. Obwohl ich jetzt nicht weiss, wie das Europaleaguespiel zwischen Schalke und Gladbach ausging. Nun, jemand wird es mir bestimmt morgen sagen 🙂

Tag 2 Freitag, 10. März 2017

5.45 Uhr:

Ich starte in meinen ersten vollkommen newsfreien Tag. Während dem Frühstück höre ich Radio 3 Fach. Eine lokale Jugendradiostation von der ich weiss, dass sie zur frühen Morgenstunde noch keine News senden. Es fällt mir leicht, nicht wie gewohnt in einer Zeitschrift oder Zeitung zu blättern.

6.35 bis 8.56 Uhr:

Die erste grosse Challenge steht an. Die über zweistündige Anreise nach Rorschach zum nächsten Kurstag des CAS Medienpädagogik. Liegt es an meiner aufgrund des Newsentzugs speziell darauf fokussierten Wahrnehmung oder hat es tatsächlich überall Zeitungen rumliegen, wo ich nur hinschaue? Die frühmorgens noch prallgefüllten 20 Minuten Boxen, die unzähligen Tageszeitungen und Zeitschriften, welche der Kiosk am Bahnhof zum Verkauf präsentiert und natürlich die Pendler in den Zügen. Geschätzte zwei Drittel lesen in einer Zeitung oder Zeitschrift. Glücklicherweise treffe ich im Zug auf eine Freundin, mit welcher ich mich bis Baar unterhalte, ehe sie den Zug verlässt. Das war eine willkommene Abwechslung. Die restliche Zeit höre ich Musik und döse noch ein wenig vor mich hin bis St. Gallen. Im Zug nach Rorschach treffe ich auf Cheyenne und Diana. Wir plaudern und ich teile ihnen meine ersten Erfahrungen mit meiner Newsdiät mit.

Vorlesungszeit

Ohne Newsportale und ohne Facebook bleibt mir nichts anderes übrig, als ich mich auf die Inhalte des Kurses „multimediales Lernen“ und die Ausführungen von Frank zu konzentrieren ;). Die interaktive Gestaltung und die spannenden Inhalte sind der Grund, warum ich gar nicht erst in Versuchung gerade mich mit Newsinhalten abzulenken.

Nach Kursende

Auf der Rückreise bin total müde, schreibe zuerst ein paar Nachrichten bevor ich die meiste Zeit bis Luzern schlafe.

19.30 Uhr

Zuhause angekommen esse ich etwas. Bald darauf kommt mein Mitbewohner nach Hause und wir tauschen uns über den vergangenen Tag aus. Später skype ich noch mit einer Freundin aus dem Ausland bevor ich mich schlafen lege.

Fazit: Obwohl es Situationen gab, in welchen ich gerne zu einer Zeitung – vor allem im Zug – gegriffen hätte, fiel mir der Newsentzug bis jetzt relativ leicht. Es kommt mir entgegen, das ich viel in Interaktion mit anderen Menschen bin und ich mich selten alleine beschäftigen muss.

Tag 3 Samstag, 11. März 2017

6.35 Uhr:

Ich nutze die Zeit im Zug bis Zürich für die Journaleinträge zu Tag 2 🙂 Danach schaue ich mir auf meinem Laptop eine Folge meiner Lieblingsserie an.

Vormittag:

Auch die heutige Kursequenz ist sehr interaktiv gestaltet, weswegen ich gar nicht in Versuchung gerate meinen „Neuigkeitendurst“ zu stillen. Da ich mich aufgrund einer Erkältung nicht richtig fit fühle, melde ich mich für die Nachmittagsveranstaltung ab und gehe nach Hause. Im „Thurbo“ nach St. Gallen ist es unmöglich, einen Platz zu besetzen, von welchem aus man nicht auf den Flatscreen mit den Trashnachrichten schauen kann. Ich ertappe mich mehrmals dabei, wie ich – zumindest die Schlagzeile lese, bevor ich mich wieder auf mein Entzugsprogramm besinne.

Nachmittag/Abends

Zuhause angekommen, lege ich mich erst mal kurz hin. Am Abend kommt ein Freund zu mir auf Besuch und wir schauen uns das Spiel FC St. Gallen – FC Luzern im TV an.

Tag 4 Sonntag, 12. März

Sonntags ist bei mir Ausschlafen angesagt. Den Nachmittag verbringe ich an diesem herrlichen Frühlingstag draussen; gehe spazieren und treffe mich mit Freunden zum Kaffee.

Abends kochen wir gemeinsam in der WG, danach schauen wir einen Film. Alles in allem war das ganze Wochenende viel los, es gab wenige Situationen, in welchen mir langweilig war, weshalb mir der Newsverzicht ziemlich leicht fiel.

Tag 5, Montag 13. März 2016

Heute muss ich meinen ersten Nachtdienst ohne Newskonsum überstehen. Seit Jahren ist es ein festes Ritual, dass ich – nach dem alle Jugendlichen ihre Zimmer bezogen habe und ich meinen Dienst für heute beende – im Pikettzimmer noch die Wiederholung von 10 vor 10 schaue oder sonst irgendeine Newssendung. Leider habe ich meine Buchlektüre zu Hause vergessen, ich sehne mich aber nach irgendeiner Form von Unterhaltung; „Facebook und 20 Minuten meine verlorenen Freunde, wo seit ihr?!“ Ich zappe mich dann durchs TV-Programm und lande bei einer Auswanderungssendung auf Kabel 1. Diese „Skripted-Reality-Soap“ ist ja wohl der grösste Müll, muss ich mir selber eingestehen und für meiner Meinungsbildung nicht zuträglich. Da wäre „1o vor 10“ deutlich gehaltvoller gewesen. Jedoch ist diese „mediale Leichtkost“ auch super, um nach einem anstrengenden Tag abschalten zu können. Der Zweck heiligt in diesem Fall die Mittel.

Tag 6, Dienstag 14. März 2017

Nach einer ruhigen Nacht, beginnt mein Dienst morgens um 5.30 Uhr. Nachdem (fast) alle Jugendlichen aus dem Haus sind, beginne ich die angestaute Büroarbeit ab zu arbeiten.

In einer Pause sehe ich eine Nachricht, respektive folgender Screenshot meines Mitbewohners :

Sein Kommentar dazu bezieht sich auf die Push-Nachricht von 20 Minuten: „ech vo gloubs ou a met medie verzecht…“  . Nur schon, dass diese Nachricht der Burgerbestellung der 20 Minuten Redaktion einen Bericht wert ist, zeugt von einer fragwürdigen Berichterstattung, dass diese – und das werden längst nicht alle – auch noch als Pushnachrichten verschickt werden, ist es ein Armutszeugnis und bestärkt mich in meinem Vorsatz. Wenn meine Newsdiät bisher eines bewirkt hat, dann ist sind das vor allem die Diskussionen, welche ich in meinem direkten Umfeld durch mein Experiment auslöse. Die Leute, manche mehr, manche weniger, beginnen ihren eigenen Newskonsum zu reflektieren. So geschehen nicht nur bei meinem Mitbewohner, sondern auch bei einem meiner Fussballkameraden, welchem ich nach dem abendlichen Training von meinen Vorsätzen erzählt habe. Er ist der Meinung, dass ich mir durch diese Aktion selber die Kompetenz absprechen würde, die Relevanz eines Artikels objektiv beurteilen zu können. Den Vergleich, welcher Dobelli in diesem Zusammenhang zu Banker und Ökonomen zieht (S. 16), habe ich in dem Moment nicht präsent. Jedoch muss mein Freund zugeben, dass in erster Linie vor allem Boulevardjournalismus wie „20 Minuten“ und „Blick“ konsumiert und kaum andere Sachen. Obwohl ich ihm die benannte Urteilsfähigkeit zutraue, glaube ich an einen unterbewussten Einfluss auf unsere Meinungsbildung, wenn  „Trashneuigkeiten“ im alltäglichen Medienkonsum überhand nehmen.

Tag 7 Mittwoch, 15. März 2017

Bei herrlichem Frühlingswetter geniesse ich die Zugfahrt von Luzern entlang des Rotsees an Ebikon und Rotkreuz vorbei nach Immensee, wo ich zu meiner Linken den Zugersee sehe und zu meiner rechten die Rigi, deren Spitze immer noch schneebedeckt ist. Ich bedaure schon fast die anderen Pendler, welche in die 20-Minuten Lektüre vertieft sind und scheinbar keine Augen für diese wunderschöne Gegend haben :). Tagträumen als Alternative zur Pendlerzeitung klappt heute hervorragend.

Bevor ich mich aufs Ohr lege checke ich die CL – Fussballresultate via meine einzig verbliebene Newsapp “ Forza Football“.

Die erste Woche ist überstanden, Entzugserscheinungen spüre ich keine bis wenige. Jedoch habe ich mich in der letzten Woche oft dabei ertappt, wie ich orientierungslos auf meinem Smartphone hin und her scrolle ohne eigentliches Ziel. Ich brauche wohl noch etwas Zeit, dieses Verhaltensmuster abzulegen.

Tage 8 bis 11 Donnerstag 16. bis 19. März 2017

Ich habe für mich entschieden, dass ich meinem Newsdurst ein wenig nachgebe und mir die Lektüre der WOZ gönne; welch Balsam für meine Newsjunkieseele ;). Als erstes las ich einen Artikel über psychodelische Rockmusik, respektive „Zayk“ – eine Schweizerband, welche in diesem Genre zuhause ist. Weitere Artikel werde ich später lesen. Etwa über den vom Präsidenten der Phlippinen geführten „Krieg gegen die Drogen“, welchem bereits über 7000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Warum ist mir diese Meldung neu? Warum hat mir niemand von meinem Umfeld davon erzählt? War es wohl den klassischen Tageszeitungen keinen Bericht wert? Mir reicht dies als Indiz, dass die Berichterstattung der WOZ wohl doch vom Mainstreamjournalismus abweicht… Auch wenn mir Dobelli mit grosser Wahrscheinlichkeit wiedersprechen würde.

Des weiteren habe ich mich mittlerweile mehrmals via Internetbrowser mein FB-Profil besucht. Eigentlich jedesmal für Kommunikationszwecke, jedoch konnte ich es jeweils nicht lassen, das (die?) Timetable runter zu scrollen und bin dann jeweils unausweichlich auf News gestossen, welche Freunde von mir oder kommerzielle Seiten gepostet haben.

An sonnigen Tagen liebe ich es am Quai des Vierwaldstättersees ein Café aufzusuchen und bei Kaffee oder einem Bierchen eine Tageszeitung zu lesen. Jetzt nehme ich jeweils ein Buch oder Vertiefungsliteratur aus dem CAS „Medienpädagogik“ mit.

Kalenderwoche 12

Meiner Chefin und allen im Team habe ich bereits von meinem Experiment erzählt. Anscheinend liess sich meine Vorgesetze von der Idee der Newsdiät inspirieren. Zumindest hat sie auch alle News-App wie „20 Minuten“ und „Blick“ von ihrem Smartphone gelöscht und ein kleines Projekt in unserem Jugendheim lanciert; es trägt den Namen „Happy News“. Ziel ist es, unseren Newskonsum auf gute Nachrichten zu fokussieren. Auf Flipcharts können Zeitungs- oder andere Berichte aufgeklebt werden, damit eine Collage aus lauter „Good News“ entsteht. Zu Beginn konnten wir aus verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen Berichte herausschneiden und aufkleben. Da ich ja auf solche Lektüren verzichte, habe ich aus dem Gedächtnis heraus geschrieben, was für mich in letzter Zeit positives passiert ist; z.B. der Turniersieg von Roger Federer in Indian Wells oder die verpasste Wiederwahl Oskar Freysingers in den Walliser Stadtrat.

Gerade jetzt (Mittwochnachmittag) befinde ich mich in der Zentral – und Hochschulbibliothek in Luzern. Vor mir sehe ich das Freihandregal mit allen möglichen Tageszeitungen… zu gerne würde ich eine davon lesen. Ein kleines bisschen darin blättern kann ja nicht schaden, oder? Wenn Dobellis Thesen stimmen, dann sind wir eigentlich alle Abhängig von Neuigkeiten. Der Drang News zu konsumieren wäre demnach vergleichbar mit meiner Nikotinabhängigkeit. Und wie war das damals, als ich nach einem Jahr Rauchabstinenz dachte, ich könne mir zur Feier meines Geburtstages schon eine Zigarette gönnen, ohne gerade wieder in die Abhängigkeit zu fallen? Nur einen Tag später habe ich mir wieder eine Schachtel gekauft. Also keine Zeitung für mich heute. Hat ja genügend Bücher hier :).

Rückblick 15. Mai 2017

Der letzte Blogeintrag ist schon eine ganze Weile her, doch mein Experiment führe ich immer noch weiter. Zwar nicht mehr mit aller Konsequenz wie zu Beginn; die Facebook-App ist zurück auf dem Smartphone und ich mache mir nicht mehr die Mühe, mich dem Newskonsum im öffentlichen Raum zu entziehen (Bsp. Flatscreens in ÖV). Aber sonst beschränke ich meine Newskonsum weiterhin auf die Lektüre der WOZ und des Beobachters. Inzwischen habe ich hie und da in einem Buch gelesen, was zuvor selten bis nie der Fall war, jedoch blieben die meisten Bücher, welche ich mir im Brockenhaus besorgt hatte, bisher ungelesen. Ich merke aber schon, dass durch diesen Newsverzicht einiges an zeitlichen Ressourcen frei werden, welche man sinnvoller nutzen kann. Dies geschieht auch, so dass ich zum Beispiel die lange Zugfahrt von Luzern nach St. Gallen dazu nutze, mich mit den Inhalten des CAS Medienpädagogik-Kurses zu beschäftigen, anstelle mir irgendwelche Trash-Nachrichten von 20-Minuten oder sonst einem Newsportal reinzuziehen. Mindestens genau so oft kompensiere ich aber den Newsentzug mit anderen medialen Inhalten (Musik, Film oder Ähnliches).

Was mir eindeutig fehlt sind Informationen zum aktuellen Weltgeschehen. Natürlich hab ich durch mein Umfeld vom Anschlag in Stockholm, vom Bombenattentat auf den BVB-Fanbus, von Macron gewonnener Wahl in Frankreich und so weiter erfahren. Solche Ereignisse waren in meinem direkten Umfeld immer wieder Gesprächsthemen, wo ich gerne mit debattiert hätte, was mir aber nicht möglich war. In diesem Sinne kann ein völliger Newsentzug, auch dazu führen, dass man sich in gewissen Alltagssituationen sozial isoliert fühlt, da man nicht mitreden kann. Aber zum Glück gibt es noch genügend andere, persönlichere Gesprächsthemen :).

Grundsätzlich werde ich meinen Newsverzicht weiterführen, sobald es aber Situationen gibt, wo für mich die Vorteile bei einem Newskonsum überwiegen, werde ich mich nicht unnötig mit dem Verzicht quälen.

 

 

 

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